1860

 

Mit der Verfassung vom 28.9.1860 begannen sich in Hamburg die verfassungsrechtlichen Institutionen, deren Entstehung in das späte Mittelalter und die Zeit der Reformation zurückreichen, zu verändern. Die Entwicklung zur parlamentarischen Demokratie mit Gewaltenteilung sowie allgemeinem und gleichem Wahlrecht blieb jedoch der 1921 in Kraft getretenen Hamburger Verfassung vorbehalten.

1861

 

Auf 1861, als Gründungsdatum, bezieht sich heute Malermeister Manfred Klemmer vom Süderquerweg 305.
Damals hat der Intarsienbildner Claus Höper sich selbstständig gemacht; sein Sohn Hermann sattelte vom Tischlermeister zum Malermeister um. Handwerkliche Arbeiten von Claus und Hermann Höper sind noch in Vierlanden und in Museen zu finden.
Seit 1980 führt Manfred Klemmer, in 4.Generation, den Betrieb.


1861 eröffnete die Reederei Johann & Nicolaus Burmester mit dem in Hamburg erbauten Personen-Seitenraddampfer "Lauenburg" den regelmäßigen Schiffsverkehr auf der Elbe zwischen Hamburg und Lauenburg. Schon im nächsten Jahr ersetzte es er durch ein größeres Schiff, das den gleichen Namen erhielt; 1866 fuhr dann die dritte "Lauenburg" auf der Elbe (die alte Postkarte aber zeigt den Dampfer "Kaiser Wilhelm I.").
Dampfer "Kaiser Wilhelm I."


Am 20.6.1861 ordnet der in Bergedorf tagende Konvent die Einführung von Briefmarken an.


Am 1.7.1861 trat für das Amt Bergedorf der am 7.11.1856 in Hannover von mehreren norddeutschen Staaten abgeschlossene Vertrag in Kraft, der das metrische Gewicht einführte. Ab 1.1.1872 galten im ganzen Reich nur noch metrische Maße und Gewichte.


Am 1.11.1861 gab der Bergedorfer Postmeister Wilhelm Paalzow zum ersten Mal die 5 Bergedorfer Briefmarken mit dem beiderstädtischen Wappen heraus. Sie blieben bis 31.12.1867 gültig, denn am 1.Jan.1868 begann der Norddeutsche Postbezirk mit seinem Dienst und eigenen Briefmarken.

- Weitere Infos und Abbildungen dazu unter www.bergedorf-briefmarken.de
Bergedorfer Briefmarken

1862

 

Anfang 1862 erließ die Landherrenschaft der Marschlande für die Frühjahrs-Deichschau eine Bekanntmachung, betr. "...der notwendig zu veranlassenden Sicherungs- und Unterhaltungsarbeiten am Ochsenwerder Elbdeich", unterschrieben von den Landherren Dr. Arning und Aldarus.
Bekanntmachung


Vom 21.3.1862 stammt der Auftrag zur Ausdehnung der Triangulationsarbeiten und der Detail-Vermessung (jetzt auch) auf das Hamburger Landgebiet.
Und vom 1.8.1862 stammt das Gesetz über die Grundsteuerfestsetzung und Grundsteuererhebung für das Landgebiet.

1863

 

1863 wurde in Bergedorf der erste Wochenmarkt eingerichtet, der aber nicht lebensfähig war und bald wieder aufhörte. Neubeginn dann wieder 1896.


Am 7.7.1863 rief der Herausgeber der Eisenbahnzeitung, C.M. Ed, zur Subscription von Anteilen zur Bergedorfer-Actien-Bierbrauerei auf.
Noch heute wird in Nigeria und bei der HGI "Bergedorf Beer" gebraut (mehr auch unter: Historisches).
Bergedorf Beer Ansehen


Am 23.8.1863 begann in Bergedorf das 3.Norddeutsche Wander-Wettschießen. Vier Tage dauerte das große norddeutsche Schützenfest mit Umzügen, Bällen und vielen Wettkämpfen.

1864

 

1864 wurde die Rotenhäuser Chaussee (heutige Rotenhauschaussee) angelegt und für die Benutzung bis 31.12.1872 ein sog. Chausseegeld erhoben.


1864 fand ein Krieg Preußens (mit Österreichs Unterstützung) gegen Dänemark statt. Sein Anlass war: Der König von Dänemark bestätigt eine Verfassung, die im Widerspruch zu den Vereinbarungen mit Preußen und Österreich nun die Einverleibung Schleswigs in Dänemark vorsieht. Preußen und Österreich forderten die Aufhebung dieser Verfassung und marschierten, als Dänemark dies ablehnt, über die Eider und in Schleswig ein. Nach vier Wochen Vorbereitungen begann am 18.4.1864 die Erstürmung der Düppler Schanzen durch General Gustav von Manstein, dann Waffenstillstand im Oktober 1864.
Karte

So ist Dänemark gezwungen mit Preußen und Österreich im Oktober 1864 den "Wiener Frieden" zu schließen, in dem der dänische König auf Schleswig, Holstein und Lauenburg verzichtet und an die beiden Länder abtritt.
Gustav von Manstein wohnte später in Billwerder und wurde 1877 auf dem Billwerder Friedhof beigesetzt.

1865

 

1865 gründete Schiffbauer Christopher Grube aus Kirchwerder in Zollenspieker eine Schiffswerft, die ihren 2.Standort von 1898-1965 in Warwisch hatte. Seitdem befindet sich die "Schiffswerft Heinrich Grube" im neuen Hafen Oortkaten. Sie verfügt hier über eine 110 m lange Slipanlage zum Bau von Binnen- und Spezialschiffen.


Auch 1865 und 1866 fanden die Feste der Bergedorfer Schützen im Hangeinschnitt des Bergedorfer Gehölze statt (siehe Karte bei 1859).
Das alte Foto gibt einen Eindruck vom Festplatz im sog. Schießtal. In ihm wurde Anfang der 1950er-Jahre das Billtal-Stadion angelegt.
Festplatz im sog. Schießtal


1865/66 ist Reinbek, wie andere holsteinische Gebiete, knapp ein Jahr lang unter österreichischer Verwaltung.
Dies regelte der österreich-preußische Vertrag von Gastein. Danach sollte die Ausübung der gemeinsamen Rechte für die gewonnenen Herzogtümer wie derart erfolgen: Österreich ist für Holstein und Preußen für Schleswig zuständig... Nach dem Krieg 1866 tritt Österreich seine Rechte an Preußen ab.


Ab 1865 begann auf der Dove-Elbe der Dampfschiffverkehr, so zuerst mit dem kleinen Seitenraddampfer "Flora" bis Neuengamme. 1866 lief die "Hamburg" für die Lauenburger Schiffahrtslinie vom Stapel. Damit standen hier 2 Schiffe in Betrieb.
Die alte Aufnahme zeigt eine Anlegestelle an der Dove-Elbe.
Anlegestelle an der Dove-Elbe


1865 wird der Mühlenzwang im Amt Bergedorf aufgehoben. D.h. die Bauern aus Bergedorf, den Vierlanden und Geesthacht waren bis dahin verpflichtet, ihr Getreide nur bei der Kornwassermühle in Bergedorf und der Riepenburger Mühle mahlen zu lassen.


Vom 30.10.1865 stammt das Gesetz betreffend der Feststellung der nach amtlichen Vermessungen angefertigten Karten und Flurbüchern des Landgebietes.
Gesetz


06:36 05.02.2013

Am 8.11.1865 kaufte Alfred Nobel (1833-1896) mit dem Kaufmann Wilhelm Winckler und dem Anwalt Dr. Christian Bandmann das Geesthachter Gelände "auf dem Krümmel". Von April 1866 an wurde dort, zuerst mit 50 Arbeitern, produziert.
auf dem Krümmel


Mit Gesetz vom 17.11.1865 überwies Hamburg die Kirchenregister einer eigenen Verwaltung = ans "Civilstandsregister"; fürs Amt Bergedorfgültig ab 1.1.1873. Daraus wurden zum 1.1.1876 die Standesämter. - Seit 1627 wurden Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle durch die hiesigen Prediger in die Kirchenbücher eingetragen.

1866

 

1866 /67 Gründung des Norddeutschen Bundes unter preußischer Führung, als Vorläufer des Deutschen Reiches. Die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein werden mit Preußen vereinigt. - 1866, als Sande unter preuß. Staatshoheit kam, wurde das 60,5-ha-Dünengebiet den Lohbrügger Bauern gegen Erstattung der Vermessungskosten angeboten. Sie lehnten aber ab, da der Boden für landwirtschaftliche Zwecke nicht nutzbar war. Der Fiskus bepflanzte dann das große Dünengebiet mit Kiefern; am Hangbereich entstanden die Sander Tannen. Sie sollten helfen, den Flugsand in diesem Bereich zu bändigen.
Dünengebiet mit Kiefern


1866 wurden die mit Granitpfeilern markierten Endpunkte der Braaker Basis für die Triangulation von Hamburg (und 1871 von Preußen) mitverwendet. Im Sept. 1821 hatte die erste Vermessung der knapp 6 km langen "Braaker Basis" durch C. F. Gauß und H. C. Schumacher stattgefunden.
Vermessung der knapp 6 km langen "Braaker Basis"


1866 versuchte man einen Dampferbetrieb auf der Bille bis zur Blauen Brücke aufzuziehen; später bis zur Roten Brücke. Ein Dampfer fuhr wochentags 1x und am Sonntag alle 3 Stunden! - Betrieb aber nur bis 1868, aber später neue Versuche.


Am 23.8.1866 "Friede von Prag" zwischen Preußen und Österreich, nach dem Krieg im Juni/Juli 1866 von Preußen gegen Österreich. Österreich stimmt hierin der Auflösung des Deutschen Bundes, den von Preußen beabsichtigten Annexionen und der geplanten Neugestaltung Deutschlands ohne Österreich zu. Österreichs Rechte an Schleswig-Holstein aus dem 1864er-Krieg gegen an Preußen über.

1867

 

Seit 1867 sind die genauen Maße für Backsteine Hamburgs Traditions-Baustoff, amtlich festgelegt: 24 cm lang, 11,5 cm breit und 7,1 cm stark. Der Stein wird aus Ton hergestellt. Dieser wird grob zerkleinert und im Freien (in trockener Kälte) gelagert; anschließend mit viel Wasser geschwämmt. Das Geheimnis von Dichte und Festigkeit liegt im Ofen; so wurden in ihm Rohziegel bei Temperaturen zwischen 900 und 1200 Grad gebrannt. Der Eisengehalt des Tons bestimmt seine Farbe; von Gelb über Rot bis Blau.
Maße für Backsteine


Von Januar 1867 lief die neue Nobel'sche Produktion in Krümmel, in der ersten Dynamitfabrik der Welt. Alfred Nobel war von 1865 bis 1867 oft in Krümmel.
Er hatte im Spätherbst 1866 in Versuchen das erschütterungsanfällige Nitroglycerin "in feste Form" gebracht.
Karte


Am 12.2.1867 fand - nach dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht - die Wahl zum norddeutschen Parlament (=Reichstag) statt. Das Amt Bergedorf war in 2 Bezirke geteilt; es war dessen letzte "geteilte" Wahl. Hamburg und Lübeck hatten sich schon am 18.8.1866 dem Bündnisvertrag mit Preußen angeschlossen!
Die Verfassung des Norddeutschen Bundes (Bundeskanzler wurde Bismarck) wird die Grundlage der späteren Reichsverfassung.


Am 1.7.1867 fand der 1841 eingeführte "beiderstädtische oder Bergedorfer Transitzoll" für durchgehende Waren, die von Hamburg nach Berlin per Bahn transportiert wurden, ein Ende.


Am 8.8.1867 unterschrieben die Vertreter der Senate Hamburgs und Lübecks den Vertrag, in dem Lübeck seine 1420 begründeten Rechte an Bergedorf, den Vierlanden und Geesthacht an Hamburg abtritt. Am 9.10.1867 kommt das Amt Bergedorf unter hamburgische Verwaltung. Durch den Vertrag vom 8.8.1867 hatte Lübeck, gegen Entgeld von 200.000 Talern, seinen Anteil am Amt an Hamburg abgetreten. Die sog. beiderstädtische Zeit (von 1420 an) fand damit ein Ende.
PDF Amt Bergedorf unter hamburgische Verwaltung Ansehen


Am 31.12.1867 waren die 1861 von F.W.L. Paalzow (1816-1899) herausgegebenen Bergedorfer-Briefmarken ein letztes Mal gültig. Sie wurden durch Marken des Norddeutschen Postbezirks, einem Vorläufer der Reichspost, ersetzt. Die geschnittenen Marken haben einen bedeutenden Sammlerwert, auf Briefstücken noch hohe Aufschläge. Die 1 Sch.- und 1 1/2 Sch.-Werte sind auch als Kehrdruck-Paare erschienen!
Weiter siehe dazu unter www.bergedorf-briefmarken.de
Bergedorfer Briefmarken

1868

 

1868 brauchte der "Courier-Zug" für die Fahrt von Hamburg nach Berlin nur noch 6 Stunden 11 Minuten; das waren 3 Stunden weniger als beim Beginn 1846. Wobei die ersten D-Züge 1890 dann nur noch 3 1/2 Std. für die Gesamtstrecke brauchten.


Zum 1.1.1868 nun Übergang des sog. beiderstädtischen Gebietes (das waren: das Städtchen Bergedorf, die Vierlande und Dorf Geesthacht) in den alleinigen Besitz von Hamburg; damit wurde das "Amt Bergedorf" gegründet. Der letzte beiderstädtische Amtsverwalter Dr. Kaufmann trat 1873 (als das Amt Bergedorf in Landherrenschaft umbenannt wurde) von seinem Posten zurück.
Auf dem Bild sind u.a. seine Anlehn-Treibhäuser am Schloss zu sehen!
Bergedorfer Schloss


Am 11.2.1868 traten Bergedorf, Geesthacht und Teile Billwärders in den seit November 1867 bestehenden Zollverein des norddeutschen Bundes ein. Die Vierlande folgten am 1.11.1868.


Vom 17.8.1868 stammt die Maß- und Gewichtsordnung für den Norddeutschen Bund. Hiermit wird auch die Einführung des Meter als einheitliches Längenmaß festgestellt. Einführung zum 1. Januar 1871.
Maß- und Gewichtsordnung


Am 2.9.1868 brannte am Reinbeker Weg die1824 erbaute "Zweitmühle" des Pächters der Kornwassermühle, Hans Christian Behr, ab.
Sie wurde nicht wieder aufgebaut; ihr Standort war in Höhe heutiger kath. Kirche.
Windmühle Reinbeker Weg


Im November 1868 wird Bergedorf in den Zollverein aufgenommen. Die Zollschranken fallen, Industrie siedelt sich jetzt am Schleusengraben und auf dem Kamp an.


Vom 4.12.1868 stammt das Gesetz über Grundeigentum und Hypotheken für Stadt und Gebiet Hamburg.


Am 19.12.1868 veröffentlichte die Hamburger Landherrenschaft eine Bekanntmachung mit dem Inhalt: Die Mitglieder der Billwärder-Feuer-Casse hätten vier Jahre lang eine außerordentliche Zulage zu zahlen, zuerst im Jahre 1870 und zuletzt 1873. Damit würde der große Feuerschaden vom 2.11.1868 gemeinsam getragen und abgezahlt werden können...
125 Jahre Feuerkasse

1869

 

1869 wurde die, 1859 in Geesthacht gegründete und jetzt seit 1864 in Sande ansässige Firma von Wilh. Bergner in "Bergedorfer Eisenwerk" umbenannt. In den nächsten Jahrzehnten entwickelte sie sich zu einem weltweit tätigen Betrieb...
Bergedorfer Eisenwerk


1869 wurde auf der Hamburg-Lauenburger Elbschiffahrtsstrecke der Reederei Burmester als 3. Schiff der Seitenraddampfer "Pfeil" in Betrieb genommen. 1876 folgte der Neubau der "Lauenburg" (ein Seitenraddampfer für 415 Personen), 1878 die "Concorsia" für 484 Personen und 1880 die "Germania" für 445 Personen. So fuhren 1880 auf der Elbe zwischen Hamburg und Lauenburger nun fünf Schiffe!


Vom 2.4.1869 stammt die Bekanntmachung, betreffend der Maß- und Gewichtsordnung. Die Länge eines sog. Hamburger Fußes (altes Längenmaß) wird hier mit 0,28657 Meter bestimmt. Vom 16.7.1869 stammt dann die Eich-Ordnung für den Norddeutschen Bund mit Vorschriften über Material, Gestalt und Bezeichnung der Maße und Gewichte
(siehe dazu den historischen Text auf Seite 2 der PDF).
PDF  Maß- und Gewichtsordnung Ansehen


Am 25.8.1869 gibt der Senat die öffentliche Auslegung von nach amtlichen Vermessungen angefertigten Karten und Flurbücher bekannt. Und zwar für die Vogteien : Reitbrook, Ochsenwärder, Tatenberg, Spadenland, Moorwärder und hamburgisch Krauel. Im Vermessungs-Büro der Baudeputation konnten die Eigentümer und Berechtigte Einsicht nehmen.


Im Jahre 1869 gründete der Schornsteinfegermeister Niese am Weidenbaumsweg eine Glashütte.
Bereits 1854 hatten die Gebrüder Nathan am Schleusengraben eine erste Glasfabrik errichtet.
- mehr im Artikel von Ludwig Uphoff:
Glashütten

 

 

 

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Die für diesen Zeitabschnitt ausgewählten Chronikdaten lieferte das "Archiv Ludwig Uphoff".
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